Immer
wieder lassen sich Welpenkäufer von offensichtlichen "Schnäppchen" verführen.
Die Freude an einem günstig erworbenen jungen Hund währt aber in der Regel nicht
lange. Kostspielige tierärztliche Behandlungen, nicht selten der "Totalverlust"
und gratis dazu noch ruinierte Nerven... braucht man das?
Hin und wieder findet man nette Welpen von privat, wenn ein begeisterter
Chihuahuabesitzer einmal einen Wurf aus seiner Hündin ziehen wollte. Diese
Mütter (und Väter) sind in aller Regel nicht auf Zuchttauglichkeit untersucht
und man sollte sich in Sachen Chihuahua schon auskennen, um den Welpen
beurteilen zu können. Aber oft wissen diese Einmalzüchter auch, welche Mühe und
Sorgen mit der Aufzucht eines Wurfes verbunden sind und trennen sich nicht
unbedingt für wenig Geld von ihren Lieblingen. Die meisten schauen sich ihre
zukünftigen Welpenbesitzer sehr genau an.
Und dann gibt es noch erwachsene Chihuahuas, die "umständehalber" ihr Zuhause
verlassen müssen. Wenn man einen netten Begleiter sucht, kann man so günstig an
einen "Gebrauchten" kommen. Man muss hier aber bedenken, dass sich ein
erwachsener Hund nicht mehr so einfach auf eine neue Bezugsperson einstellt.
Hier sollte die Chemie von anfang an stimmen. Also einen Kindermuffel nicht zu
Kindern und einen temperamentvollen lauffreudigen Hund nicht zu einem
Laufmuffel!
Zu guter Letzt machen Sie sich aber selbst einen Eindruck von den am häufigsten
angebotenen Billighunden. Wollen Sie das wirklich unterstützen?
Weitere
Informationen zu "Wühltischwelpen" finden sich unter www.tasso.net
in
der Rubrik "Tierschutz"
TASSO warnt vor angeblichen Welpen aus Kamerun
Sie finden sich in aller Regel in kostenlosen Online-Anzeigenbörsen:
Anbieter angeblicher Welpen zum Nulltarif, für die lediglich der
Transport nach Deutschland bezahlt werden müsse. Denn die süßen
Hundekinder – überwiegend sehr kleiner Rassen wie Chihuahuas oder
Yorkshire-Terrier – wären in Kamerun zu Hause. Für 100 bis 200 Euro
könne man sie aber einfliegen lassen. Ein Schnäppchen angesichts der
Preise, die normalerweise für reinrassige Tiere genannt werden …
Was viele nach wie vor nicht wissen: Diese Tiere existieren gar nicht!
"Das
Internet ist voll von Berichten abgezockter Hundeliebhaber",
berichtet Philip McCreight, Leiter der TASSO-Zentrale. "Denn hinter den
in sehr schlechtem Deutsch abgefassten Anzeigen stecken Betrüger, die
nicht nur auf die Vorauszahlung der angeblichen Flugkosten bestehen,
sondern anschließend auch noch mit frei erfundenen Zoll- und
Tierarztkosten oder mit Beträgen für die Anschaffung einer speziellen
Transportbox zur Kasse bitten." Das üblicherweise per
anonymem Bargeldtransfer überwiesene Geld sei auf jeden Fall weg, sagt
McCreight, die Chancen auf Wiederbeschaffung gingen gegen Null.
Das bestätigt Katja S. aus Bremerhaven: "Mein Mann und
ich haben uns so sehr einen Yorkshire-Welpen gewünscht, hatten aber
dafür leider nicht das nötige Geld. Dann sahen wir diese Anzeige in
einem Online-Portal." Lediglich 150 Euro sollte die
32-Jährige zahlen, für die Flugkosten von Kamerun nach Deutschland. "Ich habe das
Geld angewiesen. Doch dann kam ein paar Tage später eine E-Mail, dass
der Welpe auf einem französischen Flughagen festsäße",
erzählt Katja S. "Ich müsste
sofort Geld für eine Flugtransportbox einzahlen, so 600 bis 1200 Euro,
ansonsten könne der Welpe nicht transportiert werden." Als
die Hundeliebhaberin weder antwortete noch zahlte, folgte eine weitere
Mail aus Kamerun. "In der drohte
man mir mit horrenden Kosten für die Unterbringung auf dem Flughafen."
Katja S. kam die Sache inzwischen sehr verdächtig vor, sie reagierte
nicht. Und der Kameruner Abzocker lies auch nichts mehr von sich hören.
Ann-Kathrin Fries, TASSO-Rechtsexpertin mit Anwaltskanzlei in Wesseling,
rät jedem, der im Internet auf Angebote für Kamerun-Welpen stößt, den
Betreiber der Webseiten zu kontaktieren und um Löschung zu bitten. "Die großen
Anzeigenportale kennen das Problem oft schon", sagt sie. "Die reagieren
denn auch schnell mit dem Entfernen. Aber hin und wieder gelingt es den
Abzockern, sich bei kleineren Börsen einzuschleichen."
Angeboten zu kostenlosen Welpen sollte man ohnehin mit großer Skepsis
begegnen, rät die Rechtsexpertin: "Meist hat die
Sache einen Haken, der ganz schön ins Geld gehen kann."
Presse-Mitteilung
Kampagne
Wühltischwelpen – nein Danke! Immer mehr Betroffene melden
sich
Schon jetzt schlägt
die Kampagne "Wühltischwelpen – nein Danke!" hohe Wellen. Der
Europäische Tier- und Naturschutz e.V. (ETN), TASSO e.V. und der Bund
gegen Missbrauch der Tiere e.V. (bmt) hatten die Aktion im Dezember 2009
gemeinsam gestartet. Laut TASSO berichteten bisher rund 100 Betroffene
von ihren Erfahrungen mit unseriösen Hundehändlern. Über 2300 Menschen
hätten das Informationsmaterial angefordert und etwa 100.000
Informationskarten verteilt. Die überwältigende Resonanz der Betroffenen
zeige, dass sich der Welpenhandel für viele unseriöse Züchter zu einem
lukrativen Geschäft entwickelt hat. Daher werden die drei
Tierschutzorganisationen ihre Aufklärungsarbeit in den nächsten Monaten
verstärkt fortführen.
"Es ist
erschreckend, mit welcher Skrupellosigkeit die unseriösen Züchter
vorgehen",
kommentieren ETN, TASSO und der bmt die erste Auswertung der
Erfahrungsberichte. "Das Mitleid
und die Tierliebe der Menschen wird von gewissenlosen Händlern
ausgenutzt, um Profit zu machen – auf Kosten der Tiere, aber auch der
Menschen, die ihren Welpen leiden und sterben sehen." Denn
einhellig berichten die Betroffenen auf der Homepage von TASSO von
kranken Tieren, die langwierig, aber erfolglos von den Tierärzten
behandelt wurden. Sarah G. schreibt: "… Meine Hündin ist jetzt 7 Monate
und todkrank, und ich bin am verzweifeln." Und ein anderer
Betroffener berichtet: "Ich habe
es damals auch gemacht, und dann war der Welpe voll mit Würmern und
Flöhen und starb kurze Zeit später. Man hat mir gesagt er wäre 9 Wochen
alt, dabei war er laut Tierarzt gerade ein paar Tage alt, viel zu früh
vom Muttertier weg."
Neben dem Verlust
des Tieres haben offenbar alle Tierhalter zudem hohe Tierarztkosten zu
beklagen, die die durch den vermeintlich günstigen Preis beim Kauf des
Rassewelpen gesparte Summe um ein Vielfaches übersteige. Ein Mitarbeiter
eines Zoofachgeschäfts bestätigt die Erfahrungen der Tierschützer: „Bald wöchentlich erscheinen zur
Zeit Kunden mit Welpen kleiner Rassen. Auf Nachfrage geben die Leute als
Alter meist 4-6 Wochen an, haben keine Ahnung von der Ernährung, und
meist sind sie über das Internet an den Hund gekommen. Meine Kollegen
und ich sind jedesmal entsetzt und versuchen den Leuten klar zu machen,
dass sie damit diesen Handel forcieren. Die Antworten sind meist: war
günstig, tat mir so leid, Papiere brauche ich nicht usw. Manche dieser
Hunde sehen schon krank aus, und wir versuchen alles, die Leute sofort
zum Tierarzt zu schicken.“
ETN, TASSO und bmt
erneuern angesichts dieser erschreckenden Berichte ihren Appell, keine
Welpen zu Schnäppchenpreisen zu kaufen und sich vor dem Kauf genau über
die Herkunft des Tieres zu informieren. Auch Mitleid, so die
Tierschutzorganisationen, sei ein schlechter Ratgeber beim Kauf von
Tieren. Worauf Interessenten beim Kauf eines Hundes achten sollten,
haben ETN, Tasso und bmt in einem Positionspapier zusammengefasst. Es
findet sich, zusammen mit weiteren Informationen, auf den Websites der
drei Organisationen.